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Mrz

Spirituell führen – Gastbeitrag unseres Referenten Dr. Friedrich Assländer

Das Wort „spirituell“ klingt für manchen komisch. Wenn wir es aber einfach vom Lateinischen ins Deutsche übersetzen, dann heißt es „geistig“, also „geistig führen“. Und das ist meine tiefste Überzeugung, das, was im Kopf von Führungskräften abläuft, ist entscheidend, nicht die geschriebenen oder gesprochenen Worte. Wer sich mit Körpersprache auskennt, weiß schon lange, dass andere erkennen, wenn zwischen Reden und Denken ein Widerspruch ist. Wir werden nicht nur unglaubwürdig, sondern wir schwächen uns selbst und leiden unter unseren inneren Konflikten, wenn Denken und Reden/ Handeln voneinander abweichen.

Der Geist ist die gestaltende und wirkende Kraft in vielfacher Hinsicht. Aus ihm kommen die Ideen, er wird benutzt um Dinge zu bewerten, er bestimmt unser Erleben, er kann unser Reden und Tun kraftvoll machen oder schwächen und vom ihm hängt ab, ob wir glaubwürdig sind oder nicht. Wir sehnen uns nach Klarheit. Wir wollen kraftvoll sein und kraftvoll wirken. Wir wollen gelassen und souverän sein. Alles beginnt im Kopf, im Geiste. Wir sollten also unseren Geist schulen. Wie geht das?

Wenn wir Wissen anhäufen, was in unserer Kultur sehr geschätzt wird, dann bewegen wir damit nichts oder nur sehr wenig. Wissen hat auf unser Tun und Lassen wenig Einfluss. Das ist leicht nachzuvollziehen, denn wenn Wissen verhaltensrelevant wäre, dann wären alle Ärzte Nichtraucher.
Wir lernen auch nicht Tennis oder Klavierspielen, indem wir Bücher lesen oder Vorträge anhören, sondern durch reales Tun. „Führen“ ist eine soziale Fertigkeit, die man vor allem durch eigenes Erleben und Selbsterfahrung lernt. Und gutes Führen gelingt in dem Maße, wie wir mit uns selbst im Reinen sind und uns damit geistig fokussieren können.

Durch Führung wollen wir andere Menschen zielorientiert beeinflussen. Dabei wird unser Geist als Bewusstsein in zweifacher Weise tätig: Er definiert das Ziel, das klar oder unklar, kraftvoll oder schwach sein kann. Und er entscheidet über die Wege zur Realisierung, wobei Erfahrung, Persönlichkeitsmerkmale wie Mut, Ausdauer, Geschick u.a. zum Tragen kommen. „Ziel“ und „Weg“ werden in
hohem Maße beeinflusst von unseren bewussten und unbewussten Absichten und unseren Werten. Menschen haben ein feines Gespür dafür, ob etwas ehrlich und wohlwollend gemeint ist. Und nur dann ist es kraftvoll.

Wenn wir unseren Geist schulen, z.B. durch Meditation, dann lernen wir unsere inneren Prozesse kennen, auch unsere Gefühle. Wir werden uns der Erlebensdimension unseres Daseins bewusst und wir erkennen immer mehr, was uns und andere bewegt, lateinisch „motiviert“. So besehen umfasst „spirituell führen“ die Schulung unseres Bewusstseins auf mehreren Ebenen. Es geht um das Bewusstsein von

„Was will ich wirklich?“
„Was bewegt mich, treibt mich an?“
„Wie erlebe ich die Dinge?“
„Welches Tun und Lassen dient mir und den anderen?“

  1. Praxis-Tipp
  2. Kommunizieren Sie klar, indem Sie die Fakten von Ihrem Erleben trennen.
    Zuerst stellen Sie die „Sachlage“ fest und überprüfen Ihr Wissen: Was? Wann? Wer? Wo? Wie?
    Im zweiten Schritt teilen Sie Ihr Erleben mit, zu dem insbesondere auch Ihre Gefühle gehören: „Ich bin verärgert, enttäuscht, verwirrt, ratlos, fassungslos, verunsichert, ….“Das braucht, wenn wir es nicht gewohnt sind, eine Gesprächsvorbereitung oder Zeit, um bei einem aktuellen Geschehen erst einmal selbst klar zu werden. Diese Zeit sollten Sie sich immer nehmen und ggf. auch erbitten.
  3. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, bevor  Sie etwas mitteilen, um für sich Klarheit zu finden. Überprüfen Sie Ihre Ideen, besprechen Sie sie mit kompetenten Leuten, bevor Sie nach außen gehen. Nur in Zeiten der Stille können Sie wirklich in die Tiefe Ihres Bewusstseins eintauchen.
  4. Laden Sie Ihre Gedanken mit Bildern, Emotionen und innerer Überzeugung auf. Je mehr Sie selbst von der Richtigkeit überzeugt sind, desto leichter springt der Funke auf andere über. Seien Sie aber offen für gegenteilige Ansichten, um diese ehrlich zu prüfen.
  5. Wenn Sie wissen, was Sie wollen, dann überlegen Sie, wie Sie taktisch klug vorgehen. Welche Menschen, welche Medien, welche Dramaturgie können Ihnen helfen?
  6. Werden Sie sich Ihrer Grundwerte bewusst. Am besten schreiben Sie diese auf. Aus den Werten lassen sich dann alltagstaugliche Prinzipien ableiten, Leitsätze, die in Entscheidungssituationen Ihr Verhalten in eine gute Richtung lenken können. Zwei Prinzipien, von denen ich oft profitiere: Tu es gleich!  Das Unangenehme zuerst!

 

Verfasst von Dr. Friedrich Assländer

Workshop: Dr. Friedrich Assländer
„Liebe braucht Formen“ am Heiligenfelder Kongress „Liebe“
am 20.05.2017 von 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr
http://www.kongress-heiligenfeld.de/session/liebe-braucht-formen/