Ein Gespräch mit Prof. Dr. Thilo Hinterberger
Vortragstitel: „Intelligenz und Bewusstsein im Lichte einer neuen Ära des Menschseins“
Referent beim Heiligenfeld-Kongress 2026
Prof. Dr. Thilo Hinterberger ist Physiker sowie Neuro- und Bewusstseinswissenschaftler. Er leitet den Forschungsbereich für Angewandte Bewusstseinswissenschaften in der Psychosomatischen Medizin am Universitätsklinikum Regensburg und ist Präsident der Gesellschaft für Bewusstseinswissenschaften und Bewusstseinskultur und stellv. Vorsitzender der Stiftung Bewusstseinswissenschaften.
Beim Heiligenfeld Kongress 2026 widmet sich Frau Degen der Frage, wie Internetnutzung bislang überwiegend über starke Gewöhnung, suchtähnliches Verhalten oder Angst (FOMO) operationalisiert wurde aber aktuelle Forschung zeigt, dass es sich vielmehr um neuartige Formen von Sozialität handelt, in denen sich zentrale Mechanismen des sozialen Selbst unter den spezifischen Bedingungen digitaler Umgebungen verändern, etwa im Kontext von Social Media und KI-Nutzung. Dabei wird deutlich, dass sich sowohl der Kern des sozialen Selbst als auch die Organisation des Sozialen grundlegend verändern.
Anita Schmitt hat mit ihm über seine Erfahrungen, Überzeugungen und seinen Blick auf das diesjährige Kongressthema gesprochen.
1 Was wäre Ihnen wichtig, dass wir über Sie wissen? Stellen Sie sich kurz vor oder geben Sie uns einen Einblick in ihr Leben. Wer sind Sie eigentlich?
Seit nun 15 Jahren habe ich die Professur für Angewandte Bewusstseinswissenschaften am Universitätsklinikum Regensburg in der Abteilung für Psychosomatische Medizin inne. Von Grund auf bin ich Physiker, bin jedoch bereits seit fast 30 Jahren im Bereich der medizinischen Psychologie tätig. Wissenschaftlich habe ich zunächst Gehirn-Computer Interfaces programmiert zur direkten Kommunikation über Gehirnsignale. Meine vielfältigen Interessen in den Bereichen Bewusstsein, Spiritualität, außergewöhnliche Phänomene, Psychologie, Philosophie, Kultur, sowie Musik, Klang und Therapie haben dazu geführt, dass ich meine Forschungsthemen in den Bewusstseinswissenschaften recht interdisziplinär gestalte.
2 Was ist oder war Ihnen im Leben wichtig? Was war für Sie ein prägendes Erlebnis in ihrem Leben?
Ein besonderes Ereignis in meinem Leben war sicherlich die Möglichkeit die Bewusstseinswissenschaften verwirklichen zu dürfen. Zunächst war diese Stelle 6 Jahre von den Heiligenfeld Kliniken als Stiftungsprofessur finanziert worden, die für mich genau im richtigen Zeitpunkt in mein Leben gekommen ist. Damals, 2011, war für mich ein Jahr des großen Neubeginns, nicht nur durch den Beginn dieses Wirkungsbereichs, sondern auch den Umzug nach Regensburg und die Gründung meiner Familie. Seither entwickeln sich immer wieder neue Themen und Forschungsschwerpunkte, wodurch auch Forschung zum Abenteuer werden kann.
3 Was verbinden Sie mit dem diesjährigen Kongressthema „Wer sind wir eigentlich?…in Zeiten von“?
Die Zeit in der wir leben ist in vieler Hinsicht einzigartig. Für mich als Wissenschaftler birgt die relativ neue Ära der „Künstlichen Intelligenz für Alle und Alles“, wie ich es mal überspitzt ausdrücken mag, noch Aspekte, die meist gar nicht gesehen und benannt werden. Ich habe das Glück, selbst Programmierer zu sein und maschinelles Lernen und neuronale Netzte bereits vor 25 Jahren für die Analyse von Gehirnsignalen verwendet zu haben. Hierdurch lernt man viel über die Andersartigkeit dieser Algorithmen im Vergleich mit gewöhnlichen Computerprogrammen und über deren Ähnlichkeiten mit den biologischen Mechanismen der menschlichen kognitiven Fähigkeiten. Was aber noch viel interessanter ist, ist die Erweiterung dieser Prinzipien auf die Art und Weise, wie Leben fundamental funktionieren könnte. Hier bin ich an einem begeisterten Staunen angelangt und hab den Eindruck, dass wir an einem Übergang stehen, unser Sein noch einmal mit neuen Augen betrachten zu dürfen und dies hoffentlich in einer würdigenden und demütigen Weise dem Leben gegenüber jenseits unserer ausbeuterischen Art. Da wir immer mehr die Prinzipien des Zusammenwirkens und der Vernetzung verstehen lernen, habe ich eine gewisse Hoffnung, dass dies auch unsere menschliche Haltung dem größeren Ganzen gegenüber prägen kann und Menschen sich wieder in die Natur einzuordnen lernen, hoffentlich nicht zu spät. Daher finde ich das Thema dieses Kongresses ein enorm Wichtiges.
4 Warum wollen Sie Teil des Heiligenfeld Kongresses sein?
Der Heiligenfeld Kongress bietet jedes Jahr die einzigartige Möglichkeit zum Teilen von wichtigen Lebensimpulsen und Erkenntnissen und gleichzeitig Gelegenheiten der Vernetzung auch in dem Bereich der Bewusstseinskultur, der ja eines meiner zentralen Anliegen ist. Kaum irgendwo treffen sich so viele engagierte und interessierte Menschen und das in einem wundervollen Ambiente. Dieses Erlebnis möchte ich nicht missen wollen.
5 Was möchten Sie den Kongressteilnehmern schon jetzt mit auf den Weg geben?
Lassen Sie sich inspirieren von den Themen des Kongresses und wenn Sie noch tiefer einsteigen wollen in die Themen, dann gibt es darüber hinaus noch die Möglichkeit, in einem Erlebnisretreat der Bewusstseinswissenschaften die Themen auf kreative Weise zu vertiefen.