Vortrag: Achtsamkeit und geistige Autonomie

18 Mai 2019
09:00 Uhr

Vortrag: Achtsamkeit und geistige Autonomie

Prof. Dr. Thomas Metzinger wird einen Blick auf neuere Forschungsergebnisse zum Mind Wandering werfen und diese dann aus philosophischer Perspektive begrifflich interpretieren. Mind Wandering ist das scheinbar spontane Auftreten von Gedanken, die nicht mit der aktuellen Handlungsaufgabe oder Wahrnehmungsumgebung zu tun haben („stimulus and/or task-unrelated thought“), und es ist in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil von anstrengungsloser Achtsamkeit.
Zwei Drittel unserer bewussten Denkvorgänge stellt keine autonome Form des inneren Handelns dar – sie sind nichts, was wir selbst tun. In Wirklichkeit sind sie Aspekte eines subpersonalen Vorgangs, eine unabsichtliche und halb-automatische Form von geistigem Verhalten. Insbesondere fehlt ihnen die Eigenschaft der Veto-Kontrollierbarkeit: Wenn wir in zum Beispiel einen manifesten Tagtraum hineingeraten, verlieren wir damit auch das Wissen um unsere Fähigkeit, diesen auch wieder zu beenden. Außerdem gibt es eine unbemerkte Diskontinuität in unserem Selbstbewusstsein, weil sich sein Inhalt mit dem Beginn und dem Ende jeder Episode des Mind Wandering abrupt ändert. Prof. Dr. Metzinger liefert Argumente, dass man diese Tatsache am besten als einen Verlust von Selbstbestimmung auf der mentalen Ebene beschreibt und dass dies eine neue Perspektive darauf eröffnet, was Meditation in Wirklichkeit ist: Eine systematische und formale Praxis zur Erhöhung der eigenen geistigen Autonomie.

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