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„Gesunde Ernährung – eine Frage von Achtsamkeit und Geschmack?!“ – ein Interview mit Nadia Beyer

Am diesjährigen Kongress „Achtsamkeit: Evolution – Bewusstsein – Menschsein“ dürfen wir Nadia Beyer, Dozentin, Autorin und Leiterin der Fachakademie für angewandtes Ernährungswissen e.V. (Carrots und Coffee College), als Referentin begrüßen. In einem Interview gibt sie einen Einblick in ihre Auffassung von bewusster Ernährung und gibt Tipps zu einer gesünderen Ernährung.

Low Carb, Trennkost, Vegan, Rohkost, Slow Food – was bedeutet für Sie bewusste Ernährung?

Eine bewusste Ernährung lässt sich meiner Meinung nach nur schwer durch ein Schlagwort definieren. Sie bedeutet für mich aber in erster Linie, dass sie den individuell abweichenden Bedürfnissen des einzelnen gerecht wird und nicht dem Motto „One-size-fits-all“ folgt. Darüber hinaus kennzeichnet für mich eine bewusste Ernährung den Verzehr möglichst ausschließlich naturbelassener unverpackter Bio-Lebensmittel, die nur wenig weiterverarbeitet werden und die Umwelt minimal belasten. Unter einer bewussten Ernährung verstehe ich aber auch, dass wir unsere Glaubenssätze bezüglich einer gesunden Ernährung öfter hinterfragen.

Achtsame, gesunde Ernährung klingt leichter als es manchmal ist. Wie kann ich meinen innenwohnenden Ernährungsinstinkt beeinflussen?

Zunächst stellt sich die Frage, haben wir Menschen wirklich einen Ernährungsinstinkt, nach dem wir uns richten können? Was wir mit Sicherheit sagen können ist, dass wir Menschen eine angeborene Vorliebe für energiereiche Lebensmittel haben und Kalorien förmlich herausschmecken können.
Wäre da nicht unsere heutige moderne Lebensmittelumwelt, würde diese angeborene Vorliebe automatisch sicherstellen, dass wir neben Energie auch ausreichend Mikronährstoffe zu uns nehmen. Der Grund dafür: die energiereichen Lebensmittel sind in der Natur gewöhnlich auch gleichzeitig sehr nährstoffreich, so z.B. Nüsse, Samen, fetter Fisch oder Eigelb. Heute wird uns dieser Instinkt für Kalorien leider jedoch zunehmend zum Verhängnis, weil wir vorwiegend von weiterverarbeiteten Lebensmitteln umgeben sind und diese oft kalorienreich und wohlschmeckend, aber leider zugleich arm an Mikronährstoffen sind, wie Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders Kombinationen aus Kohlenhydraten und Fett werden als besonders wohlschmeckend empfunden und führen dazu, dass wir oftmals zu viel Energie aufnehmen. Wer kann schon gut Schokolade, Kuchen, Eiscreme, Pizza oder Chips widerstehen. Ein Ausweg aus dieser Instinktfalle ist deshalb möglichst ausschließlich naturbelassene Lebensmittel zu essen, die wenig weiterverarbeitet wurden bzw. nur soweit, wie zur Optimierung der Bekömmlichkeit sinnvoll ist. Darüber hinaus tun wir gut daran, weniger Süßes zu verzehren, weil die Wahrnehmung von Süßem den Appetit anregt und unser Verlangen nach Süßen noch weiter steigert. Gleichzeitig würden uns mehr Bitterstoffe guttun, weil sie helfen die übersteigerte Lust auf Süßes zu reduzieren und unsere Akzeptanz gegenüber Gemüse steigern können.

Können Sie den Lesern fünf Tipps für eine gesunde Ernährung geben?

  1. Wenn Sie glauben, Hunger zu haben, trinken Sie zunächst ein großes Glas Wasser. Oft verwechseln wir Hunger mit Durst.
  2. Versuchen Sie mehrstündige Nahrungspausen zwischen Ihren Mahlzeiten und mind. 12 Std. über Nacht einzuhalten. Nahrungspausen entlasten die Verdauungsorgane und wirken sich positiv auf die Darmflora und viele Stoffwechsel- und Regenerationsprozesse aus.
  3. Reduzieren Sie Ihre Brot- und Nudelmahlzeiten, denn Getreide verdrängt heute viele der nährstoffreicheren Lebensmittel von unseren Tellern und führt dazu, dass wir oft mehr Kalorien aufnehmen als wünschenswert ist. Zudem erweist sich Brot aufgrund seiner heutigen Herstellungsweise, veränderten Zusammensetzung und der nachlassenden Verdauungs- und Darmgesundheit vieler Menschen als schlechter verträglich. Ersetzen Sie Brot und Nudeln öfter durch Gemüse und bekömmlich zubereitete Hülsenfrüchte.
  4. Essen sie nach Möglichkeit im Einklang mit den gegebenen circadianen Rhythmen. Abends lässt unsere Verdauungskraft nach, weshalb üppige oder späte Abendmahlzeiten den Körper auf Dauer belasten. Unsere Verdauungskraft ist am Vormittag und Mittag am höchsten und der Körper perfekt auf Nahrungszufuhr ausgerichtet.
  5. Gönnen Sie Ihrem Körper regelmäßig natürliche Bitterstoffe in Form von Bitterkräutern, Tees, Gemüsen und Gewürzen. Sie fehlen heute in unserer modernen Ernährung und haben so viele positive Eigenschaften, die uns helfen, vielen ernährungsbedingten Erkrankungen vorzubeugen und die Verdauung spürbar zu unterstützen.

Weitere Informationen zum Workshop finden Sie mit einem Klick auf den hinterlegten Link.

Außerdem können Sie durch die nachfolgenden Links mehr über die Fachakademie für angewandtes Ernährungswissen Carrots & Coffee College und Nadia Beyers Buch Toxfrei – Selbsthilfe und Prävention mit Grips: …denn Detox ist kein Mythos erfahren.

Hier finden Sie weitere Podcasts und Videos von Nadia Beyer:

iTunes: https://itunes.apple.com/us/podcast/carrots-coffee-radio-der-ernährungs-podcast/id1067322735?mt=2

YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCp9Nd5WM-6xYuRwdxQMtJEw